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Interkulturalität (Deutschland)

Prof.' Yasemin Karakaşoğlu und Sabine Jacobsen

Theorie und Praxis einer interkulturellen Öffnung von Schule: die Schulkultur im Fokus

Mit dem Entwicklungsplan Migration und Bildung (EMIBI) wurde durch die Senatorische Behörde für Bildung 2014 eine bildungspolitische und administrative Grundlage für die umfassende interkulturelle Öffnung von Schulen in Bremen geschaffen.

Zeitgleich erschienen die KMK-Empfehlungen zur Interkulturellen Bildung in der Schule. Beide Dokumente verweisen darauf, dass Schule eine besondere Verantwortung für den sachgemäßen Umgang mit der Tatsache der Migration trägt. Schule hat danach die Aufgabe Migration als im Rahmen von Schulentwicklung zentral zu berücksichtigende Heterogenitätsdimension und gesellschaftliche Normalität nicht nur zu akzeptieren, sondern die damit verbundenen Chancen für ein zeitgemäßes Verständnis von Schule in globaler Verantwortung wahrzunehmen.

In einem Vortrag von einer halben Stunde wurde zunächst ein theoretischer Überblick über Parameter einer Interkulturellen Öffnung von Schule anhand des wissenschaftlichen Diskurses und aktueller empirischer Studien gegeben (Karakaşoğlu).

Es folgte ein Einblick in die praktische Umsetzung interkultureller Schulentwicklung mit dem Fokus auf Schulkultur am Beispiel der Neuen Oberschule Gröpelingen und ihrer Erfahrungen mit innovativen Konzepten und Methoden (Jacobsen). Hier sollte auch kritisch hinterfragt werden, welche Aspekte der Theorie für die Praxis, welche Befunde der Empirie als weiterführend und welche als unter den aktuellen gesellschaftspolitischen und strukturellen Bedingungen auch als besondere Herausforderungen empfunden werden.

Leitfragen des Workshops waren, u.a.:

  • Was hat Sie an den Inputs und am Austausch für Ihr Arbeitsfeld inspiriert?
  • Welche Herausforderungen sehen Sie?
  • Welche Fragen und welche konkreten Schritte ergeben sich für Ihre eigene Arbeitssituation?

Ziel war ein offener und intensiver Austausch zu theoretischen Ansprüchen an interkulturelle Öffnung von Schule und ihren praktischen Umsetzungsmöglichkeiten sowie Praxisimpulsen für die Theorie.

Ergebnisse:

  • Neue Entwicklungspläne müssen in Zusammenarbeit mit Politik / Universitäten / Schulen festgelegt werden. Hier sollten keine Maßnahmen bloß für Menschen mit Migrationshintergrund gedacht werden.
  • Eine Haltungsänderung aller Beteiligten ist der wichtigste Grundbaustein.
  • Schulentwicklung muss mit Blick auf Diversität bewusst neu gedacht werden.
  • Ressourcen müssen geschaffen werden: kleinere Lerngruppen, offene Architektur...

Forderungen an die LehrerInnenbildung:

  • Bereits im Studium sollten Ängste vor Vielfalt thematisiert und bearbeitet werden. Studierende müssen auf Vielfalt in allen (!) Schulformen vorbereitet werden. LehrerInnen mit Zuwanderungsgeschichte sollen gestärkt werden und ihre Erfahrungen bewusst genutzt werden.

Forderungen an die schulische Praxis:

  • Es müssen kleine überschaubare Einheiten geschaffen werden, um insbesondere geflüchteten Kindern eine Orientierung in Schule zu bieten. Vielfalt sollte nicht bloß defizitorientiert wahrgenommen, sondern als Chance gesehen werden.

Forderungen an die Bildungsadministration:

  • Im Zuge der neuen Herausforderungen müssen dringend kleinere Klassen geschaffen werden.
  • Idealerweise müsste in jeder Klasse Unterricht durch zwei LehrerInnen erfolgen.
  • Dringend werden weitere SozialpädagogInnen an allen Schulen benötigt.