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Mehrsprachigkeit (Burkina Faso)

Dieudonné Ouédraogo und Julia Egbers

Mehrsprachigkeit und Heterogenität in der LehrerInnenausbildung: Erfahrungsberichte und -austausche aus der Praxis

Die TeilnehmerInnen des Workshops unternahmen einen geographischen und inhaltlichen Blickwechsel. Burkina Faso ist ein mehrsprachiges Land mit oraler Tradition. Es taucht aufgrund seiner unterentwickelten Infrastrukturen und Strukturen – auch im Bildungsbereich – stets auf den unteren Plätzen in Ländervergleichen und Statistiken auf. So stehen die Alphabetisierungs- und Einschulungsrate jeweils bei ca. 40% und 81%.

Bei den Betrachtungen wird jedoch ein bildungstheoretischer Aspekt außer Acht gelassen: aufgrund der zahlreich vorhandenen ethnischen Sprachen, die neben der Amtssprache Französisch im Lande vorherrschen, wachsen Kinder oftmals mehrsprachig auf. Viele von ihnen erlernen erst mit der Einschulung die französische Sprache.

Das Phänomen der "multilingualen Analphabeten" hat zur Folge, dass Mehrsprachigkeit in Burkina Faso einen völlig anderen Stellenwert hat als in Deutschland, wo es ein gesellschaftspolitisches Bestreben wie eine wissenschaftliche Forderung nach einem Ausbau von mehrsprachigen Erziehungs- und Ausbildungswegen gibt. Die Fähigkeit, in mehreren Sprachen kommunizieren zu können, wird als Chance verstanden, mit den Herausforderungen der in zunehmendem Maße globalisierten Arbeits- und Lebensstrukturen umzugehen.

Zugleich stellt ein über die Muttersprache hinausreichender Spracherwerb eine Zusatzqualifikation dar. In der Praxis an Schule und Hochschule bedeutet die stetig wachsende Förderung von mehrsprachigen Lernenden und Lehrenden durchaus eine infrastrukturelle und inhaltliche Herausforderung dar – eben aufgrund der Vielfältigkeit per se. Anders verhält es sich in Burkina Faso: Mehrsprachigkeit ist hier als "natürliche Ressource" vorzufinden, der Umgang mit unterschiedlichen Sprachen ist Alltag – unabhängig vom Bildungsgrad.

Im Workshop wurde diskutiert: Wie können die differenten Voraussetzungen der unterschiedlich entwickelten Länder Deutschland und Burkina Faso beispielhaft so genutzt werden, dass sich die jeweiligen Strukturen und landeseigenen Stärken möglichst effizient im gegenseitigen Dialog ergänzen? Ist das überhaupt erwünscht und möglich?

Nach einem Input über den Stand der Aus-und Fortbildung sowohl der Lehrenden  als auch der Multiplikatoren in Burkina Faso, wurden in diesem Workshop die bisherigen Erfahrungen der TeilnehmerInnen zur Thematik gesammelt und in Arbeitsgruppen vertieft.