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11. Oktober 2017 | Site-Event 3

LAN-Party für (angehende) Lehrkräfte und Interessierte – Zusammen. Spiele. Erleben.

Computerspiele im Unterricht – ist das sinnvoll?

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Ausprobieren von Computerspielen

Das letzte Site-Event war eine LAN-Party für (angehende) Lehrkräfte. Hier wurde den Teilnehmenden eine Plattform geboten, um über die Nutzung von Computerspielen im Kontext Schule zu diskutieren. Dabei waren die eigenen Erlebnisse und Erfahrungen aus einer längeren Ausprobier-Phase von zwei Computerspielen Grundlage der Diskussion.

Das Event wurde in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung angeboten und von einem vierköpfigen ExpertInnen-Team der Fachstelle für Jugendmedienkultur –fjmk Köln geleitet.

Medienkompetenzerwerb durch Computerspiele

Computerspiele wie etwa Minecraft wurden ursprünglich nicht für pädagogische Zwecke entwickelt. Trotzdem hat es gerade dieses Spiel bereits in manche Klassenzimmer geschafft. Doch macht es überhaupt Sinn, Computerspiele im pädagogischen Kontext zu nutzen? Torben Kohring, Leiter der Fachstelle für Jugendmedienkultur –fjmk Köln, findet schon:

"Kinder lernen durch Computerspiele eine sehr wichtige Medienkompetenz: die Selbstregulation. Dies geschieht allerdings nur, wenn Eltern und pädagogische Fachkräfte mit Kindern von klein auf und gemeinsam in einer sicheren Umgebung Computerspiele und das damit verbundene Selbstregulieren von Zeit üben."

Geschehe dies nicht, so Herr Kohring, entlasse man Kinder alleine in eine virtuelle Welt. Damit verpasse man die Chance, die Heranwachsenden in dieser neuen Welt zu begleiten und sie vor Gefahren wie etwa exzessives Spielen zu schützen.

Motivationsfaktor nutzen

Kinder entwickeln bei Computerspielen oft eine erhöhte Motivation, am Ball zu bleiben. Dies liegt daran, dass sie in ein Spiel eine gewisse Zeit investieren, je nach Spiel eine virtuelle Persönlichkeit mit viel Liebe aufgebaut haben, und die Eigenschaften eines Spieles einige der individuellen Neigungen und Interessen bedienen. Jemand, der zum Beispiel strategisch und kompetitiv denkt, fühlt sich tendenziell von Shooter-oder Strategie-Spielen angesprochen, da diese Eigenschaften hier gefragt sind.

Auch verwies Herr Kohring darauf, dass digitale Spiele im Gegensatz zu herkömmlichen Spielen für Kinder oft eine gewisse Coolness aufweisen, ohne dass dabei der eigentliche Spielgedanke verloren gehe. Minecraft sei im Kern demnach nichts Anderes als Lego. Nur eben digital und mit weiteren Gestaltungsmöglichkeiten.

Diese Motivationen können genutzt werden, um Kindern pädagogische Inhalte näher zu bringen, für die sie sich ansonsten nur schwer begeistern lassen.

Ein pädagogisches Konzept ist das A und O

vergrößern: Computerspiele als sinnvolle pädagogische Werkzeuge
Computerspiele als sinnvolle pädagogische Werkzeuge

Wie können also Computerspiele konkret in Schule genutzt werden? Hierzu sollte weder die Technik noch das Computerspiel an sich der Antrieb sein. Vielmehr sind Computerspiele Werkzeuge, die pädagogisch sinnvoll genutzt werden können. Dies geschieht jedoch nur bei einem gut durchdachten Gesamtkonzept. Und Letzteres ist wiederum auch dafür wichtig, dass die nötigen technischen Gegebenheiten vorliegen.

Ist dies der Fall und möchte man Kindern z.B. die Anatomie des Herzens näherbringen, können diese zum Beispiel in einer VR Umgebung ein virtuelles Herz erkunden. Das Herz ist von innen wie von außen erkundbar und das in einer eigens gewählten Geschwindigkeit.

Auch bieten sich vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten in Minecraft zur Förderung von Kreativität, was wiederum im Kunstunterricht genutzt werden kann.

Neben dem Fachunterricht hatten die TeilnehmerInnen dieser Runde weitere Gelegenheiten für die Nutzung von Computerspielen in Schule identifiziert wie etwa Projektwochen, Unterrichtsvertretung sowie den außerschulischen Ganztag.

Kinder als ExpertInnen – Lehrkräfte als LernbegleiterInnen

Wie Kinder kostet es auch LehrerInnen sehr viel Zeit, Computerspiele gut und sicher zu beherrschen. Diese Zeit haben jedoch die wenigsten Erwachsenen. Das wiederum kann LehrerInnen davon abhalten, Computerspiele im Unterricht einzusetzen.

Webseiten wie zum Beispiel Minecraft Education stellen jedoch eine Fülle an Anwendungsideen von anderen pädagogischen Fachkräften zur Verfügung. Dies kann für Lehrkräfte ohne Vorerfahrung ein guter Einstieg sein, um die pädagogische Anwendung eines Computerspieles doch noch für den eigenen Unterricht zu entdecken.

Bei der Einführung des Spieles kann auch auf das Wissen und die Erfahrung von SchülerInnen zurückgegriffen werden. So können zum Beispiel erfahrene SpielerInnen ein Spiel anleiten oder SchülerInnen sich das Spiel gemeinsam in Kleingruppen erarbeiten. Damit wird die Lehrkraft nicht nur entlastet, sondern stärkt zugleich die Motivation und das Selbstvertrauen der Kinder sowie das peer-to-peer-Lernen.