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Erweiterungsfach

In den Lehramtsstudiengängen mit Staatsexamensabschluss war es vergleichsweise einfach möglich, ein weiteres Unterrichtsfach oder eine Fachrichtung als sogenanntes Drittes Fach oder Erweiterungsfach zu studieren. Mit der Umstellung der Lehramtsstudiengänge auf Bachelor und Master haben sich die Bedingungen hierfür geändert.

Das Lehrerausbildungsgesetz vom 12. Mai 2009 lässt zwei verschiedene Möglichkeiten eines Erweiterungsfachs zu.

  1. In einer ersten Variante kann ein Erweiterungsfach analog zu den übrigen Unterrichtsfächern studiert werden, d. h. im Bachelor- und im anschließende Masterstudium muss jeweils dieselbe Anzahl an Leistungspunkten wie in den "normalen" Unterrichtsfächern erworben werden.
  2. Eine zweite Variante sieht vor, dass mit Genehmigung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung abweichende Regelungen erlaubt sind. D.h. in diesem Fall wäre das Fach mit einer entsprechend reduzierten Leistungspunktanzahl zu studieren.

Die (nicht genehmigungspflichtige) "Eins-zu-Eins-Abbildung" des Erweiterungsfachs (Möglichkeit 1) birgt im Rahmen des Bachelor-Master-Systems zahlreiche Risiken. So führt beispielsweise das gleichzeitige Studium eines zusätzlichen Fachs im stärker strukturierten Bachelor/Master-System aufgrund der unvermeidlichen Stundenplanüberschneidungen zu stark verlängerten Studienzeiten.

Bei Aufnahme des Bachelorstudiums bleibt die spätere Zulassung zum Masterstudium ungewiss, da es bei kapazitären Engpässen nicht zu verantworten wäre, die Zulassung zum Masterstudium im Erweiterungsfach auszusprechen, wenn dadurch andere Lehramtsstudierende vom "regulären" Masterstudium ausgeschlossen werden müssten. Studierenden mit Studienabschluss Staatsexamen würde die Möglichkeit genommen oder zumindest massiv erschwert, ein Erweiterungsfach nachzustudieren.

Um diese Nachteile zu vermeiden, hat die Universität zu Köln ein eigenes Modell für das Erweiterungsfach entwickelt. Nach diesem Modell soll das Erweiterungsfach in Form eines Aufbaumasters im Umfang von ca. 60 Leistungspunkten studiert werden. Der Aufbaumaster

  • nutzt dabei fachliche Synergieeffekte, die sich ggf. aus einem zuvor abgeschlossenen Bachelorstudium ergeben,
  • enthält garantierte fachdidaktische Anteile
  • und eine klare Ausrichtung auf das Berufsfeld Schule.

Im Idealfall kann das Studium in einer Vollzeitvariante (zwei Semester) oder einer Teilzeitvariante (vier Semester, beispielsweise parallel zum "regulären" Masterstudium) absolviert werden. Leistungen im Rahmen des Praxissemesters entfallen.

Damit das Erweiterungsfach nach diesem Modell später an der Schule auch unterrichtet werden kann, ist die entsprechende ministerielle Genehmigung erforderlich. Das zuständige Ministerium für Schule und Weiterbildung strebt in diesem Zusammenhang ein einheitliches Konzept für ganz NRW an, so dass sich die elf LehrerInnen bildenden Hochschulen auf eine einheitliche Regelung verständigen müssen.

Die Universität zu Köln hat im März 2013 ihr Modell des Erweiterungsfachs in Form eines Aufbaumasters den zuständigen ProrektorInnen sowie Vertretern des Schul- und Wissenschaftsministeriums vorgestellt und wurde im Juli 2013 damit beauftragt, zusammen mit den übrigen Hochschulen gemeinsame Konzepte für die beiden möglichen Varianten des Erweiterungsfachs zu entwickeln und abzustimmen.

Auf Initiative der Kölner Universität wird sich eine Arbeitsgruppe der LehrerInnen-bildenden Hochschulen in NRW auf gemeinsame Eckpunkte verständigen. Anschließend muss auf Basis der Arbeitsergebnisse eine Abstimmung zwischen Schul- und Wissenschaftsministerium erfolgen. Parallel zu diesem Prozess werden an der Uni Köln Fachcurricula zum Erweiterungsfach erarbeitet und sämtliche, für die Akkreditierung notwendigen Schritte in die Wege geleitet.

Aufgrund der Komplexität des gesamten Verfahrens können wir momentan noch nicht genau abschätzen, ab welchem Zeitpunkt Aufbaumasterstudiengänge an der Universität zu Köln angeboten werden können.