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Aktion "Eine Uni – Ein Buch" erfolgreich im Sommersemester 2017

Köln liest Keun

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Irmgard Keun 1947

Im Sommersemester 2017 brachte die Veranstaltungsreihe "Köln liest Keun" die Menschen an der Universität zu Köln und in der Stadt Köln über Literatur miteinander ins Gespräch. Mit einem Projekt rund um den Exilroman "Kinder aller Länder" der Wahlkölnerin Irmgard Keun von 1938 hatte sich die Universität erfolgreich an der vom Stifterverband, der Klaus Tschira-Stiftung und der Zeit-Stiftung geförderten Aktion "Eine Uni – ein Buch" beworben.

Zeitlose Beschreibung der Flucht-Erfahrung

Auch fast 80 Jahre nach seinem Erscheinen hat das Werk an Aktualität nichts eingebüßt und die lakonische und unmittelbar-assoziative Art, in der die zehnjährige Ich-Erzählerin Kully das Exil beschreibt, steht zeitlos für die Erfahrungen und Gefühle, die Menschen auf der Flucht machen.

Das Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL) war gemeinsam mit der ALEKI – Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung der Universität zu Köln, der Gleichstellungsbeauftragten der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln und der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln Organisator der Veranstaltungsreihe, an der insgesamt etwa 500 Personen teilgenommen haben.

Vinzenz Gardenier

Der Roman ermahnt zur Wachsamkeit, denn er zeigt die Geschichte von politisch Verfolgten, die aus einem Land vertrieben werden, in dem demokratische Grundrechte verschwinden – mitten in Europa.

Vinzenz Gardenier, Schüler-Rezensent (https://lesepunkte.de/rezensionen/irmgard-keun-kind-aller-laender-5)

Vielfältiges Programm

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Von Beginn des Sommersemesters an luden zahlreiche so genannte Lese-Orte, an denen Leseexemplare auslagen, auf dem gesamten Campus dazu ein, kurz innezuhalten und in "Kind aller Länder" zu schmökern.

Durch die großzügige Zusammenarbeit mit dem Verlag Kiepenheuer & Witsch war es zudem möglich, einige Buchpakete mit Werken Irmgard Keuns zu verlosen.

Das vielfältige Programm umfasste Seminare, Workshops und Vorlesungen und wurde gerahmt von drei großen Abendveranstaltungen, an denen jeweils auch Irmgard Keuns Tochter, Martina Keun-Geburtig, teilnahm:

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  • Den Auftakt machte eine Bürgervorlesung, in der Professor Jürgen Egyptien (Aachen) die ZuhörerInnen auf eine Reise durch Keuns Leben und Werk mitnahm.
  • Im Juni folgte eine Podiumsdiskussion, bei der Professorin Sabine Damir-Geilsdorf und Jun.-Professor Martin Zillinger vom Global South Studies Center der Universität zu Köln mit einem geflüchteten syrischen Brüderpaar und ExpertInnen zum Thema Flucht und Migration ins Gespräch kamen. Der Schauspieler und Radiomoderator Jörn Behr rahmte diese Veranstaltung mit einer Lesung aus dem Roman.
  • Den Abschluss bildete eine Veranstaltung mit Alice Schwarzer, die einen sehr persönlichen Blick auf Irmgard Keun und deren letzte Jahre in Köln warf.
  • Mit Stadtführungen des Frauengeschichtsvereins durch die 'kunstseidene' Südstadt bewegte sich das Projekt auch außerhalb des Campus auf den Spuren Irmgard Keuns.

Thematisierung in der Universität

Vortrag von Professor Habbo Knoch

Auch innerhalb der Universität wurden die Schriftstellerin Keun und ihr Werk in verschiedenen Fachbereichen thematisiert:

  • Im Rahmen seiner Vorlesung "Einführung in die Didaktik der Geschichte" widmete Prof. Dr. Holger Thünemann eine Sitzung dem Werk "Kind aller Länder", um exemplarisch den Umgang mit Romanen als historische Darstellungen und Quellen zu zeigen.
  • Studierende am Institut für deutsche Sprache und Literatur II behandelten Irmgard Keuns Roman im Seminar "Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft" von Dr.' Antje Arnold und stellten "Kind aller Länder" aktueller Literatur zum Thema Flucht gegenüber.
  • Auch die Internetempfehlungs- und Rezensionszeitschrift für Kinder- und Jugendliteratur "Les(e)bar" lud interessierte TeilnehmerInnen zu einer Buchbesprechung ein.
  • Professor Habbo Knoch vom Historischen Institut nahm das Werk zum Anlass, um "Hotelleben und Exilschicksale im 20. Jahrhundert" in einem Vortrag näher zu beleuchten.
  • Eine weitere Perspektive bot ein Workshop des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln, in dem die TeilnehmerInnen unter der Leitung von Michael Kempf zum Thema "Mit der Kamera auf der Flucht. Exilfotografie der 30er und 40er Jahre" arbeiteten und zudem die fotografische Sammlung des Museum Folkwang in Essen besuchten.

Alle Veranstaltungen waren nicht nur inner-universitär, sondern auch für alle interessierten BürgerInnen geöffnet und kostenfrei, so dass das Werk über alle Fach- und Altersgrenzen hinweg kennengelernt oder auch wiederentdeckt werden konnte.

Ausblick: SchülerInnen über "Kind aller Länder"

"Kind aller Länder" beschreibt Flucht und Exil in einer so zeitlosen Art und hat gegenwärtig wieder eine besondere Relevanz. Besonders wichtig war es den OrganisatorInnen daher auch, junge LeserInnen anzusprechen und für das Buch zu begeistern. Das am ZfL verortete Online-Rezensionsportal LESEPUNKTE hat daher im Rahmen von "Köln liest Keun" die Aktion "Keun macht Schule" gestartet und SchülerInnen aus Kölner Schulen zu den Veranstaltungen eingeladen.

Die Jugendlichen waren aufgefordert, Rezensionen zum Werk zu verfassen, hatten aber beispielsweise auch die Möglichkeit, Interviews mit den Vortragenden oder Irmgard Keuns Tochter zu führen. Die Arbeitsergebnisse sind auf dem Rezensionsportal abrufbar.

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