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Orientierung in Mexiko – Schulpraktikum an einer Deutschen Auslandsschule

vergrößern: Schule in Mexico City (Bild: Privat)
Schulhof in Mexico City

Eine Lehramtsstudentin lässt Sie an ihren fachlichen und persönlichen Erfahrungen aus Mexico City teilhaben. Hier hat sie 2013 ihr Orientierungspraktikum an einer Deutschen Auslandsschule absolviert. Das Praktikum hat Sie über die Plattform pasch-net.de gefunden.

Ein Rucksack voller Erfahrungen – Orientierungspraktikum in Mexiko

Ein Schulpraktikum als gewinnbringende Berufserfahrung und Ausland – passt das zusammen? Ich finde ja: Ich habe mich dazu entschlossen, mein Orientierungspraktikum an einer Deutschen Auslandsschule zu absolvieren, um einmal das Deutsche Auslandsschulwesen als späteren potenziellen Arbeitgeber kennenzulernen und die Strukturen und Abläufe im Ausland mit denen an einer Inlandsschule vergleichen zu können.

Im September des vergangenen Jahres hatte ich deshalb mein Praktikum an der Deutschen Auslandsschule "Colegio Alemán Alexander von Humboldt" auf dem Campus Lomas Verdes in Mexico City angetreten.

Wissenswertes zu Schule und Schulsystem

Das Colegio Alemán in Lomas Verdes ist einer von drei Campus in Mexico City. Alle drei sind Privatschulen, was in Mexiko allerdings einen etwas anderen Hintergrund hat als bei uns: Das öffentliche Schulsystem in Mexiko ist ungenügend finanziert und somit auch nicht gut strukturiert und ausgestattet. Deshalb schicken diejenigen Eltern, die es sich leisten können, ihre Kinder auf Privatschulen, wo sie, im Falle der von mir besuchten Schule, je nach Stufe allerdings bis zu etwa 600 Euro im Monat bezahlen müssen.

Die Aufteilung der Schulformen und Stufen ist ebenfalls etwas anders als in Deutschland: Mexiko besitzt (bereits) die sechsjährige Grundschule, die sogenannte Primaria. Das heißt, dass die Secundaria, an der ich mein Praktikum absolviert habe, erst ab der bei uns umgerechnet 7. Klasse losgeht und bei der etwa 12. Klasse entweder mit kombiniertem deutschen und mexikanischen Abitur oder nur mit mexikanischem Abitur endet.

Etwa 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler (SuS) sind mexikanisch, das Kollegium besteht etwa zur Hälfte aus deutschen Lehrkräften. Neben der (deutschen) Schulleitung gibt es auch die sogenannte "technische Leitung", die sich um die Koordination zwischen mexikanischen und deutschen Schulbehörden etc. kümmert. Was die Unterrichtssprache betrifft, so sind die Grundfächer sowie Schwerpunkte (hier: Naturwissenschaften) auf Deutsch, einige andere Fächer aber auf Spanisch. Zwar ist auch die Amtssprache Deutsch, Spanischkenntnisse erleichtern aber die Verständigung und ermöglichen tiefere Einblicke Hilfestellungen für die Schülerinnen und Schüler.

Ankunftsziel Praktikum – ein Wegweiser zum Praktikumsplatz und vor Ort

Für Praktika an Deutschen Auslandsschulen bewirbt man sich eigenständig und direkt bei den Schulen, bei denen man ein Praktikum absolvieren möchte. Wichtig hierbei: Die Plätze sind sehr schnell vergeben, natürlich gerade in den Ländern, in die alle möchten. Deshalb würde ich empfehlen, sehr frühzeitig – etwa 1 Jahr vorher – anzufragen.

Ein Visum benötigt man in Mexiko als deutscher Staatsbürger für bis zu 6 Monate nicht, solange man keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Man bekommt für den Zeitraum eine sogennante Touristenkarte, die man bei Ausreise auch wieder vorzeigen muss.

Nach einer kurzen Einführung ist man auch schon mitten drin im Praktikumsgeschehen: die ersten beiden Tage geht man mit zwei Klassen mit, um deren sehr straffen und arbeitsintensiven Schulalltag mitzubekommen. Den eigenen Stundenplan für das/die relevanten Fächer kann man sich dann am dritten Tag zusammenstellen und auch die Gespräche mit den zuständigen Lehrer bzw. anderen Kollegen würde ich dorthin verschieben. Ich habe keinen einzigen Lehrer getroffen, der sich gegen eine Hospitation gestellt hat und meine Fachlehrer im Unterrichtsfach Englisch waren sehr hilfsbereit und auch für eigene Vorschläge und Unterrichtssequenzen offen.

So konnte ich Einblicke in sämtliche Klassenstufen (also umgerechnet siebte bis zwölfte Klasse) bekommen, sowohl als Beobachterin, als auch im Rahmen von selbst gehaltenen Unterrichtsstunden. Dies hat mich eindeutig weitergebracht und auch, wenn das Unterrichten im Orientierungspraktikum noch freiwillig ist, würde ich es jedem anraten – so lernt man in sehr kurzer Zeit sehr viel über sich selbst, das Organisieren und Strukturieren, über die eigene Lehrpersönlichkeit und seine Wirkung auf Schülerinnen und Schüler und vieles mehr.

Neben der überwiegenden Hospitation im Fach Englisch habe ich ferner einige Stunden in fachfremden Fächern verbracht, um auch dort einen Einblick in didaktische Mittel und Stundenaufbau zu bekommen. Wie überall kann das unterschiedlich erfolgreich konzipiert sein – der Lerneffekt ist aber (ob nun positiv oder als Negativbeispiel) auf jeden Fall vorhanden.

Was noch wichtig zu erwähnen ist: Man wird als Praktikantin für Vertretungsstunden mit eingeplant. Mal mehr, mal weniger. Manchmal bekommt man vom abwesenden Lehrer Informationen, woran gearbeitet werden soll, manchmal muss man sich das selbst überlegen, manchmal auch relativ kurzfristig.

Reisen in Mexiko – Ein Rucksack voller Erfahrungen

vergrößern: Tulum an der Riviera Maya (Bild: Privat)
Tulum an der Riviera Maya

Wer es irgendwie einrichten kann, sollte vor oder nach dem Praktikum auf jeden Fall genügend Zeit zum Reisen einplanen: Mexiko ist ein wunderschönes, facettenreiches und m. E. auch reisefreundliches Land. Ob nun auf den Spuren der Maya in Palenque, Tulum und anderen Städten, zum Entspannen und Staunen am und im Meer, im Dschungel oder in einem der höhergelegenen Dörfern oder einfach auf Entdeckungstour in einer der zahlreichen Städte und Umgebung – in Mexiko kann man vieles entdecken und erleben.

Fazit (Gewinne, fachlich und persönlich)

Eines vielleicht noch zum Schluss: Das Kollegium einer Auslandsschule ist meiner Erfahrung nach nicht mit dem an einer Inlandsschule zu vergleichen: Durch die vollkommen unterschiedlichen Lebensläufe, Charaktere und Hintergründe zum Auslandsaufenthalt, den Sprachbarrieren und Parallelkulturen gibt es ab und an (zumindest war dies bei mir der Fall) das ein oder andere Missverständnis oder Irritationen.

Mein Tipp: Nicht beirren lassen, sich an die vielen hilfsbereiten Menschen halten und vor allem (ganz wichtig, immer und überall): die Schülerinnen und Schüler ernst nehmen und die vielen Chancen auf Praxiserfahrung nutzen. Dann wird es meiner Erfahrung nach ein sehr lehrreicher und interessanter Aufenthalt.

Ich kann ein Auslandspraktikum an einer Deutschen Auslandsschule jedem wärmstens empfehlen – die Vielzahl an Aspekten, Erfahrungen und Eindrücken sind unglaublich wertvoll und bringen einen sowohl inhaltlich wie auch persönlich sehr voran.

Sind Sie interessiert?