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Was macht die Inklusion mit Kölner Lehrerinnen und Lehrern?

Stress, Persönlichkeit und Unterrichtsbedingungen

Das Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL) der Universität zu Köln und das SportlehrerInnenausbildungszentrum der Deutschen Sporthochschule Köln führten gemeinsam von April 2017 bis Mai 2018 ein von der RheinEnergieStiftung gefördertes Forschungsprojekt durch, das sich mit der Belastung und Beanspruchung von Lehrkräften im inklusiven und nicht-inklusiven Unterricht beschäftigte.

Hintergrund

Der Anspruch eines inklusiven Bildungssystems, als Forderung der Sicherung der gleichberechtigten Teilhabe aller Menschen mit und ohne Behinderung, ist in Deutschland hoch aktuell. Für LehrerInnen dürften damit vielfach verschiedene neue Anforderungen einhergehen, die zu einer negativen Beanspruchung der bzw. des Einzelnen werden können. Bei entsprechend dispositionierten Menschen besteht – gerade bei einer Summation von belastenden Faktoren – die Gefahr einer Manifestation von psychischen und physischen Erkrankungen sowie letztlich negativen Auswirkungen auf die Unterrichtstätigkeit.

Zielsetzung

Vor dem genannten Hintergrund hatte das Forschungsvorhaben zum Ziel, zum Erkenntnisgewinn im Themenbereich der Belastung und Beanspruchung im inklusiven Unterricht – hier gefasst als Unterricht in Klassen mit SchülerInnen, die einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben – einen Beitrag zu leisten.

Folgende Fragestellungen wurden im Rahmen des Forschungsprojekts vor allem untersucht:

  1. Unterscheidet sich das Beanspruchungserleben zwischen Regelschullehrkräften, die in inklusiven Klassen unterrichten von Regelschullehrkräften, die in nicht inklusiven Klassen unterrichten?
  2. Nehmen Regelschullehrkräfte im inklusiven Unterricht andere Belastungsfaktoren wahr als Regelschullehrkräfte im nicht inklusiven Unterricht?
  3. Lassen sich diesbezüglich fachspezifische Unterschiede finden?

Teilnehmende

Insgesamt nahmen 574 Lehrkräfte an der Befragung teil, hiervon waren 32% männlich und 68% weiblich. Das Durchschnittsalter lag bei 40,8 Jahren, die durchschnittliche Berufserfahrung bei 10,9 Jahren. Von diesen Lehrkräften beantworteten 28% den Fragebogen zum Fach Sport, 41% zum Fach Deutsch und 31% zum Fach Englisch. Ein Anteil von insgesamt 44% der Teilnehmenden (Sport 44%, Deutsch 46%, Englisch 41%) unterrichtete im aktuellen Schuljahr in mindestens einer inklusiven Klasse. Die Erfahrungsdauer im Unterricht mit inklusiven Klassen lag im Durchschnitt bei 4,2 Jahren.

Ergebnisse

Insgesamt können die Ergebnisse wie folgt zusammengefasst werden: Entgegen der Erwartungen sind Sportlehrkräfte vom Thema Inklusion nicht anders betroffen als ihre Deutsch bzw. Englisch unterrichtenden KollegInnen. Eine fachspezifische Entlastung von Lehrkräften verschiedener Fächer im Zusammenhang mit Inklusion erscheint demnach nicht notwendig. Weiterhin kann festgehalten werden, dass die Inklusion über die untersuchten Fächer hinweg zwar eine vermehrte Belastung hinsichtlich der Heterogenität der Klassen sowie der Disziplin in den Klassen mit sich bringt, diese Belastungen von den betroffenen Lehrkräften aber nicht als höhere subjektive Beanspruchung empfunden wird. Sie haben demnach das Gefühl, mit diesen Faktoren gut umgehen zu können. Zu beachten ist hier allerdings, dass nicht über einen längeren Zeitraum erhoben wurde, daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine höhere Belastung über lange Zeit auch zu erhöhter Beanspruchung führt.

Handlungsempfehlungen

Aus den weiteren Projektergebnissen lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen ableiten, denn es zeigt sich, dass – ähnlich wie in anderen Berufsgruppen – sowohl persönliche Ressourcen wie ein guter Umgang mit Stress, aber auch schulbezogene Faktoren wie der Grad der Autonomie bei Entscheidungen oder die Anerkennung durch KollegInnen, SchülerInnen und Eltern eine Rolle spielen, wenn es darum geht, die Motivation und Hingabe für die eigene Arbeit nicht zu verlieren und ein positives Wohlbefinden aufrecht zu erhalten (hierbei ist zusätzlich zu beachten, dass strukturelle Aspekte der jeweiligen Schule aus Umfangsgründen nicht erfasst wurden, diese jedoch sicherlich einen zusätzlichen wichtigen Aspekt darstellen).

Workshops mit Lehrkräften zum adäquaten Umgang mit Stress, aber auch ein Hinterfragen der allgemeinen Umgangskultur in den Schulen hinsichtlich der Autonomie der Lehrkräfte und der Anerkennung von Engagement könnten demnach dabei helfen, unabhängig vom Thema Inklusion die Beanspruchung der Lehrkräfte zu reduzieren sowie die Motivation und Hingabe für den Beruf über die Zeit abzusichern. Dass dabei weder geschlechtsspezifisch noch fachspezifisch gearbeitet werden muss, da die Bedürfnisse und Defizite letztendlich gar nicht so unterschiedlich sind, lässt sich ebenfalls aus den Projektergebnissen ableiten.

Projekt-Leitung

Dr.' Britta Fischer (Sportlehrer/innen-Ausbildungs-Zentrum, Deutsche Sporthochschule Köln)
Dr. Jan Springob (Zentrum für LehrerInnenbildung, Universität zu Köln)

Projektmitarbeiterin

Jannine Ohlert

Förderung

Die RheinEnergieStiftung förderte das Projekt mit insgesamt 45.000 Euro.