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Berufsperspektiven

Was kann ich mit einem Lehramtsstudium alles arbeiten und was geht im Schuldienst?

Für die meisten ist Lehrer*in der Traumberuf. Die Perspektiven mit einem abgeschlossenen Lehramtsstudium sind eindeutig und die Aussichten auf eine Beschäftigung gut.

Doch nicht alle gehen nach dem Studium sofort in den Schuldienst. Manche sogar nie.

Wir zeigen Möglichkeiten, die Sie im Schuldienst haben und umreißen andere Berufe. Lehramt muss kein gerader Weg sein.
 

Aus- und Wiedereinstieg

Die weit verbreitete Meinung: Lehramt ist wie eine Zugfahrt mit Endbahnhof. Mit dem Studium steigen Sie in einen Zug, der sie geradewegs in den Schuldienst bis zur Pensionierung bringt.

Was viele nicht wissen: Sie können an einzelnen Stationen aussteigen, eine andere Richtung nehmen, sich umschauen und wieder einsteigen.

Stationen

Nach dem Bachelor

Bereits der Bachelor of Arts mit Lehramtsschwerpunkt ist ein erster qualifizierender Abschluss. Mit diesem können Sie andere Masterstudiengänge aufnehmen, etwa fach- oder pädagogikbezogene.

Zu möglichen alternativen Masterstudiengängen nach dem Bachelor schauen Sie gerne in die Übersicht der Studiengänge A-Z an der Uni Köln.

Nach dem Bachelor können Sie anderes ausprobieren und z. B. ein Praktikum in Berufen machen, die Sie interessieren.

Die Lehramtsausbildung können Sie dann im Master wieder aufnehmen, wenn Sie möchten.

Nach dem Master

Auch der Master of Education qualifiziert Sie für viele andere Berufe, insbesondere pädagogische. Nach dem Master müssen Sie nicht sofort in den Vorbereitungsdienst starten.

Sie möchten alternative Berufe kennenlernen oder sich umorientieren? Vielleicht eröffnet sich die Möglichkeit in einem anderen Jobzu arbeiten? Dann können Sie diese Optionen nutzen.

Den Vorbereitungsdienst können Sie auch zu einem späteren Zeitpunkt aufnehmen.

Nach dem Vorbereitungsdienst

Sie können sich auf eine Stelle als Lehrer*in bewerben und in den Schuldienst starten. Oder Sie machen (zunächst) etwas anderes.

Der Vorbereitungsdienst selbst stellt eine berufliche Erfahrung dar, die Sie anderthalb Jahre lang gemacht haben. Das kann für Job-Bewerbungen wertvoll sein: Sie sind kein*e blutige*r Anfänger*in auf dem Arbeitsmarkt.

Sowohl durch das Lehramtsstudium als auch den Vorbereitungsdienst sind Sie für fachliche, pädagogische und soziale Berufe qualifiziert.

Arbeiten an einer Auslandsschule

Als Lehrer*in können Sie auch im Ausland leben und arbeiten. Die Bundesrepublik Deutschland unterhält rund 140 Deutsche Auslandsschulen weltweit, an denen Sie unterrichten können.

Pausen und Beurlaubung vom Schuldienst

Sind Sie einmal im Schuldienst angekommen, gibt es Möglichkeiten eine Auszeit zu nehmen: Das Sabbatjahr (Sabbatical). Dazu sparen Sie in den Vorjahren einen Teil der Besoldung ein, der Ihnen dann im Ruhejahr ausgezahlt wird. Dann können Sie sich anderen Themen widmen, die Sie interessieren oder eine Weltreise unternehmen.

Sie können sich auch für einige Zeit beurlauben lassen. Dann erhalten Sie keine Beamtenbezüge, können aber anderen Tätigkeiten und Berufen nachgehen. Nach einiger Zeit kehren Sie wieder in den Schuldienst zurück.

Abordnung aus dem Schuldienst

Aus dem Schuldienst können Sie sich zeitlich befristet abordnen lassen, etwa an eine Hochschule, um dort Studierende zu unterrichten. Weitere Möglichkeiten sind etwa die Abordnung an (regionale) Bildungsbüros von Städten, an kommunale Integrationszentren, an das Ministerium für Schule und Bildung NRW (MSB) oder an eine Bezirksregierung (BR).

Einstellungschancen

Das Schulministerium von Nordrhein-Westfalen sieht für Lehrer*innen in den kommenden Jahren gute Aussichten auf Beschäftigung.

Diese Faktoren beeinflussen Ihre Anstellungschancen:

  • Schulform und Fächerkombination
  • Persönliche Motivation
  • Bereitschaft zu Umzügen oder längeren Arbeitswegen
  • Bildungspolitische Entscheidungen und Schwerpunktsetzungen

Chancenrechner:
Wie Ihre Chancen sind, können Sie mit dem Chancenrechner des Schulministeriums NRW testen.

Arbeitszeit

Die Regelarbeitszeit von Lehrer*innen beträgt in Vollzeit über 40 Stunden pro Woche. Die Arbeitszeit besteht aus Unterrichtsstunden, Aufsicht, Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen und weiteren Tätigkeiten, die Sie übernehmen.

Gleichzeitig haben Lehrkräfte 12 Wochen Ferien im Jahr. Einen Urlaubsanspruch im eigentlichen Sinne haben sie aber nicht.

Wie Sie Ihre Arbeits- und Ferienzeit gestalten, entscheiden Sie eigenverantwortlich:

  • Viele Lehrer*innen nutzen einen Teil der Ferien um Klassenarbeiten zu korrigieren oder als Vorbereitungszeit für den Unterricht. Dann haben sie während der Unterrichtszeit mehr Freizeit.
  • Andere nutzen die Ferien als Pausen- und Ruhezeit, lassen dann aber womöglich Arbeit für später liegen.
  • Mit Wochenenden ist es genauso. Sie selbst teilen sich die Arbeit ein.

Zusatzaufgaben

Sie haben viele Möglichkeiten, das Schulleben über den eigenen Unterricht hinaus zu gestalten. Dabei können Sie Ihre eigenen Interessen einbringen:

  • Als Beratungslehrer*in können Sie Schüler*innen beratend und unterstützend in nahezu allen Lebenslagen zur Seite stehen.
  • Als Ausbildungslehrkräfte begleiten Sie Lehramtsstudierende z. B. im Praxissemester oder Referendar*innen im Vorbereitungsdienst.
  • Sie können Arbeitsgruppen gründen oder einen Chor leiten.

Diese Tätigkeiten können mit einer Beförderung oder einer reduzierten Unterrichtsverpflichtung (Entlastungsstunden) einhergehen. Das und ob es Weiterqualifizierungen dafür gibt, regelt die Schule selbst.

Abordnung

Sie können Ihre Schule für einige Zeit verlassen und sich abordnen lassen.

Die Abordnung ist eine tolle Möglichkeit, um innerhalb des Beamtenverhältnisses Einblicke in andere Berufe im Schulwesen zu erhalten. Sie pausieren Ihre Tätigkeit als Lehrkraft und können danach wieder als Lehrer*in an einer Schule unterrichten. Während der Abordnung werden Sie also nicht gekündigt, sondern sind weiterhin verbeamtet.

Die Abordnung ist zeitlich befristet und auch als Teilabordnung möglich. So könnten Sie 50 Prozent für die abgeordnete Stelle und weiterhin 50 Prozent als Lehrer*in unterrichtend tätig sein.

Einsatzgebiete

Mögliche Einsatzgebiete während einer Abordnung sind z. B. eine Hochschule, das Schulministerium oder eine Bezirksregierung oder auch (regionale) Bildungsbüros von Städten oder Kommunale Integrationszentren.

Sie haben Gelegenheit, ein anderes Arbeitsumfeld als die Schule zu erleben und mit Menschen aus unterschiedlichen Professionen zusammen zu arbeiten.

Gerade durch die Abordnung an eine Uni wie Köln bekommen Sie eine hervorragende Chance, sich als Teacher Scientists weiter zu entwickeln und Ihren forschende Habitus weiter zu professionalisieren. Dort können Sie die Lehramtsausbildung und das Studium forschend mitgestalten: Abgeordnet an eine Hochschule in die Fachdidaktik unterrichten Sie Lehramtsstudierende. 

Zugleich sammeln Sie berufliche Erfahrungen, die Sie im Schuldienst nicht machen können. Das kann von Vorteil sein, um Kinder und Jugendliche auf die Lebens- und Arbeitswelt nach der Schule vorzubereiten.

Ausschreibungen:
Abordnungen in NRW sind unter dem Titel "Lehrkraft mit besonderen Aufgaben" im Portal Stella aufgeführt.

Ausland

Als Lehrer*in können Sie auch international leben und arbeiten. Die Bundesrepublik Deutschland unterhält rund 140 Deutsche Auslandsschulen weltweit.

Dort unterrichten Sie Kinder von deutschen Staatsangehörigen, die im Ausland arbeiten oder von deutschen Diplomat*innen und auch heimische Schüler*innen auf Deutsch. Das Curriculum und die Schulorganisation sind wie das Schulsystem in Deutschland aufgebaut.

Infos & Stellenangebote:
Rahmenbedingungen, Bewerbung, Besoldung & Laufzeit: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen

Verbeamtung

Die meisten Lehrer*innen in NRW sind verbeamtet. Das bedeutet, sie arbeiten für das Bundesland und sind im öffentlichen Dienst beschäftigt. Statt eines Gehalts bekommen sie eine Besoldung, die nicht frei verhandelbar ist. Sie richtet sich nach Besoldungsgruppen.

Verbeamtung von Lehrkräften ist in Deutschland Sache der Bundesländer und entsprechend durchaus unterschiedlich geregelt. In NRW ist ein Teil der Lehrer*innen nicht verbeamtet, sondern tarifbeschäftigt im öffentlichen Dienst des Landes. Entweder weil sie die Voraussetzungen für eine Verbeamtung nicht erfüllt haben, oder weil sie sich bewusst dagegen entschieden haben.

Ein Vorteil der Verbeamtung gegenüber einem Angestelltenverhältnis kann die Unkündbarkeit sein. Beamt*innen haben außerdem steuerliche Vorteile und Anrecht auf finanzielle Unterstützungen.

Ein Nachteil ist z. B. das Streikverbot, denn sie sind verpflichtet sich in den Dienst des Staates zu stellen. Auch ist die ausgeübte Tätigkeit nicht so flexibel wählbar. Ein Schulwechsel, das heißt eine Versetzung, funktioniert nicht wie ein gewöhnlicher Jobwechsel mit Bewerbung und Kündigung, sondern muss beantragt und von der Schulleitung genehmigt werden.

Beamtenverhältnis:
Infos, Besoldung & Gehalt tarifbeschäftiger Lehrer*innen in NRW: NRW-Schulministerium

Beförderungen

Sie starten Ihre Karriere im Schuldienst als Lehrer*in und können bis zur Schulleitung und weiter befördert werden.

Eine Beförderung setzt eine Revision voraus, die unter anderem aus Unterrichtsbesuchen durch die Schulleitung oder der Bezirksregierung und einem Kolloquium besteht.

Finanziell kann das auch Vorteile haben und Sie bleiben dabei stets im Beamtenverhältnis.

Beispiel

Als Lehrer*in am Gymnasium können Sie sich etwa in diese Richtungen weiterentwickeln:

  • Abteilungsleitung (Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe)
  • Stellvertretende Schulleitung
  • Didaktische Leitung
  • Fachleitung (Ausbildung von Referendar*innen am ZfsL)
  • Schulleitung
  • Abordnung ans Ministerium
  • Dezernent*in für Schulformen oder Fächer (Voraussetzung vorher Schulleitung)

Diese Positionen bauen nicht als vorgegebene Reihenfolge aufeinander auf, sondern zeigen verschiedene Möglichkeiten.

Andere Berufe

Ein abgeschlossenes Bachelor- und Masterstudium im Lehramt ist eine berufliche Qualifikation, mit der Sie ebenso in pädagogischen und schulnahen Berufen oder anderen Bereichen Chancen ergreifen können.

Leider gibt es weder eine Liste aller möglichen Berufe, die Sie nach einem Lehramtsstudium ergreifen können. Noch können wir Ihnen eine Garantie dafür geben, ob und wo Sie aufgrund Ihres Studiums einen Job bekommen.

Lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Wir zeigen Ihnen zur Inspiration wie Sie sich auf die eigene Suche begeben können.

Studienzweifel?

Fähigkeiten und Möglichkeiten

Machen Sie sich bewusst: Durch ein Lehramtsstudium verfügen Sie über pädagogische Kompetenzen und ein umfangreiches Fachwissen. Sie lernen Fähigkeiten in der Strukturierung, Aufbereitung und Vermittlung von Inhalten.

Ihre berufliche Orientierung beginnt - egal welchen Studien- oder Berufsabschluss Sie haben - mit der Auseinandersetzung mit den eigenen persönlichen Interessen, Fähigkeiten, Kompetenzen, Zielen, Visionen und Wünschen. Erst danach können Sie die eigenen Vorstellungen auf Machbarkeit prüfen und geeignete Optionen genauer unter die Lupe nehmen.

Haben Sie während des Studiums Praktika absolviert, Zusatzqualifikationen erworben, einen Nebenjob gehabt oder vielleicht einen Studienabschnitt im Ausland erlebt? All das sind Aspekte, die Ihr sogenanntes "Profil" bei der Jobsuche stärken und Sie für Arbeitgeber*innen interessant machen.
 

Beispiele für schulnahe und pädagogische Berufe

Bildungsreferent*in

Als Bildungsreferent*in können Sie für Stiftungen und Verbände rund um Bildung, Wissenschaft und Forschung arbeiten. Sie planen und organisieren z. B. Weiterbildungsprogramme und führen Seminare durch.

Erwachsenenbildung

An Volkshochschulen, Abendschulen oder Bildungszentren können Sie als Lehrkraft arbeiten und Erwachsene unterrichten.

Lehrmittel

Schulbuchverlage benötigen Redakteur*innen und Lektor*innen, die über pädagogische und fachliche Expertise verfügen. Dort kontrollieren Sie Manuskripte oder werden vielleicht selbst zur*zum Autor*in von Lehrmitteln für den Schulunterricht.

Kinder- und Jugendarbeit

Für die Arbeit in Jugendzentren oder Familien- und Erziehungseinrichtungen sind pädagogische Kenntnisse gefragt. Diese bringen Sie aus dem Lehramtsstudium mit. Somit können Sie in der Kinder- und Jugenderziehung oder Familienberatung tätig sein.

Lernbegleitung

In Nachhilfeeinrichtungen, Lern- und Jugendzentren unterstützen Sie Kinder- und Jugendliche im individuellen Lernprozess.

Promotion und Wissenschaft

Falls Sie Ihr Interesse an Forschung und wissenschaftlichem Arbeiten vertiefen möchten, können Sie auch eine Karriere an einer Hochschule anstreben.

An der Uni Köln können Sie neben einer fachbezogenen auch eine fachdidaktische Doktorarbeit schreiben. Diese können Sie z. B. direkt nach dem Studium beginnen oder auch nach dem Eintritt in den Schuldienst über eine Abordnung realisieren.

Promotion oder Schuldienst muss keine Entweder-Oder-Entscheidung sein. Sie können beides miteinander vereinbaren. Eine Doktorarbeit zu schreiben ist eine bedeutende Lebensentscheidung, bei der Sie die Graduiertenschule für Lehrer*innenbildung gerne unterstützt.

Berufs- & Karriereberatung der Uni Köln