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01.09.2020

Studie "Bilanz" untersucht Bildungsbenachteiligung bei Kindern und Jugendlichen

Förderprogramme helfen gezielt einzelnen Kindern und Jugendlichen, aber die relative Situation jener, die nicht gefördert werden, kann sich verschlechtern / Studie empfiehlt niedrigschwellige Angebote und ein Gesamtkonzept für Schulen

Eine Studie des Zentrums für LehrerInnenbildung in Kooperation mit der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und der Kurt und Maria Dohle Stiftung hat die Situation bildungsbenachteiligter Kinder und Jugendlicher untersucht. Sie evaluiert Fördermaßnahmen der beiden Stiftungen sowie des Zentrums für LehrerInnenbildung an 14 Kölner Schulen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Förderungen zu einer gezielten Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen, die an einer Förderung teilnehmen, führen. Jedoch adressieren die Förderprogramme nicht alle Formen von Bildungsbenachteiligung. Nach wie vor gibt es junge Menschen, die nicht von einer Förderung erfasst werden. Ihre Situation verschlechtert sich im Vergleich zu den Geförderten. Auch der coronabedingte Fernunterricht im Frühjahr hat dazu geführt, dass die Schere zwischen geförderten und nicht geförderten Schülerinnen und Schülern weiter auseinandergeht.

Die Studie untersucht die Wirksamkeit von vier Fördermaßnahmen: WEICHENSTELLUNG für Viertklässler ist ein Förderprogramm der ZEIT-Stiftung für Grundschulkinder, das vom Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln im Kölner Raum umgesetzt wird. Die Kinder haben das Potenzial, eine weiterführende Schule zu besuchen, bekommen aber zuhause aus unterschiedlichen Gründen nicht ausreichend Unterstützung. Sie werden gezielt von Lehramtsstudierenden der Universität zu Köln gefördert. "KommMit" wurde vom Zentrum für LehrerInnenbildung ins Leben gerufen, um Kindern und Jugendlichen während des Fernunterrichts in der Coronazeit zu helfen. Das Förderprogramm "Dohle-Stiftung Ausbildungscoach" wendet sich an junge Menschen, die auf dem zweiten Bildungsweg den Einstieg in den Beruf suchen. Coach e.V. ist auf Bedarfe von Jugendlichen und ihrer Familien mit Zuwanderergeschichte ausgerichtet und betreut sie bis zum Schulabschluss.

Die Studie hat den grundsätzlichen aber auch den akuten Förderbedarf während der Coronazeit in den Blick genommen. Untersucht wurden unterschiedliche Schulformen von der Grundschule bis zum Weiterbildungskolleg. Acht der untersuchten Schulen liegen in einem sogenannten sozialen Brennpunkt. Die Ergebnisse der Studie stützen sich auf Leitfadeninterviews mit Lehrkräften und Koordinatoren der Förderprogramme sowie einer Befragung des gesamten Kollegiums.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Förderprogramme für ihre jeweiligen Zielgruppen erfolgreich sind. An den Schulen fehlt jedoch ein Gesamtkonzept zum Ausgleich von Bildungsbenachteiligung. Somit werden nicht alle Formen von Bildungsbenachteiligung adressiert. Mit Blick auf die Corona-Situation empfiehlt die Studie, die technische und personelle Situation an den Schulen zu verbessern, die Selbstorganisation und Medienkompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu stärken und die Eltern mit in die Förderung einzubeziehen. Sie spricht sich zudem für niedrigschwellige Förderangebote für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche aus.

Inhaltlicher Kontakt:
Universität zu Köln / Zentrum für LehrerInnenbildung
Dr.‘ Ina Berninger
Projektleitung
Tel.: +49 221 470 1148
E-Mail: i.berninger(at)uni-koeln.de

Pressekontakt:    
Universität zu Köln / Zentrum für LehrerInnenbildung
Merle Hettesheimer
Leitung Kommunikation und Events
Tel. +49 221 470 5687
E-Mail: m.hettesheimer(at)uni-koeln.de