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11.01.2022

Bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche können mit dem Konzept der positiven Jugendentwicklung gefördert werden

Das Konzept der positiven Jugendentwicklung eignet sich, um bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche zu fördern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Zentrums für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln. Sie untersucht am Beispiel des Förderprogramms "Einsteigen – Aufsteigen", wie gut das Konzept in der Praxis greift.

Das Konzept der positiven Jugendentwicklung wird international als Grundlage für Jugendförderprogramme empfohlen. Auch die bundesdeutsche Politik befürwortet es in der Kinder- und Jugendhilfe. Das Konzept liefert Kriterien dafür, unter welchen Bedingungen sich Kinder und Jugendliche positiv entwickeln und gibt Anhaltspunkte, wie Förderprogramme aufgebaut sein sollten, um erfolgreich zu sein. Von einer positiven Entwicklung wird gesprochen, wenn Kinder und Jugendliche altersangemessene interne und zwischenmenschliche Kompetenzen entwickeln, Selbstvertrauen und einen starken Charakter ausbilden und dauerhafte soziale Beziehungen pflegen. Den Erwerb dieser Fähigkeiten misst das Konzept in den sechs Dimensionen Kompetenz (Competence), Vertrauen (Confidence), Charakter (Character), Bindung (Connection), Fürsorge und Mitgefühl (Care) und Beitrag (Contribution).

Das Förderprogramm Einsteigen – Aufsteigen richtet sich an Kinder und Jugendliche mit schulischen und sozialen Problemen und wurde 2007 vom Kölner Gymnasial- und Stiftungsfond ins Leben gerufen. Umgesetzt wird es aktuell an fünf weiterführenden Schulen in Köln und im Oberbergischen Kreis. An jeder Schule betreut ein Sozialpädagoge bzw. eine Sozialpädagogin 40 Kinder und Jugendliche, entweder in Kleingruppen oder in Einzeltrainings. Das Programm soll den Schülerinnen und Schülern helfen, eine persönliche und berufliche Perspektive zu entwickeln. Die Förderung erstreckt sich über einen Zeitraum von vier Jahren (7. bis 10. Klasse). Danach stehen die Sozialpädagogen den Jugendlichen noch für ein weiteres Jahr beratend zur Seite.

In der Praxis fehlt den Kindern und Jugendlichen oft eine neutrale Vertrauensperson, die weder mit dem schulischen Umfeld noch mit dem Elternhaus in Verbindung steht. Lehrkräfte eignen sich oft nicht als Vertrauenspersonen, da sie in einem bewertenden Verhältnis zu ihren Schüler*innen stehen. An dieser Stelle greifen Förderprogramme, die auf eine Unterstützung durch Sozialpädagog*innen setzen.

Alle Kinder und Jugendlichen, die an dem Förderprogramm Einsteigen – Aufsteigen teilgenommen hatten, wiesen messbare positive Veränderungen in den sechs Bewertungsdimensionen auf – so das Ergebnis der Studie. Die Daten bestätigen damit im Kern frühere Forschungsergebnisse, die das Konzept der positiven Jugendentwicklung als erfolgreich einstufen. Das Konzept eignet sich somit offenbar, um Kriterien für erfolgreiche Förderprogramme in der Praxis zu formulieren. In vier Unterdimensionen – kulturelle und gesellschaftliche Regeln und Normen, Gerechtigkeitssinn, Spiritualität und Beziehungen zu Institutionen – kam die Studie aufgrund der Datenlage zu keinem eindeutigen Ergebnis. Hier sollen weitere Studien genauere Ergebnisse liefern. Die Studie empfiehlt zudem, die Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher deutlich früher anzusetzen, um diese nicht vorn vorherein von Förderprogrammen auszuschließen. Förderprogramme für die Sekundarstufe setzen bereits Kriterien an, die besonders Benachteiligte von vornherein aus einer Förderung ausschließen.
 
Informationen zur Studie:
Berninger, Ina (2021): Können bildungsbenachteiligte Schüler*innen durch das Konzept der ‚positiven Jugendentwicklung‘ erfolgreich gefördert werden? Das Fallbeispiel "Einsteigen – Aufsteigen!". Ein Förderprogramm an weiterführenden Schulen im Coaching-Format. hrsg. v. Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL). Köln
 
Link zur Studie: https://zfl.uni-koeln.de/publikationen/zfl-discussion-papers
https://zfl.uni-koeln.de/sites/zfl/Publikationen/discussion-papers/discussion-paper_2022_1.pdf
 
Pressekontakt:
Merle Hettesheimer
Universität zu Köln / Zentrum für LehrerInnenbildung
Leitung Kommunikation und Events
Tel. +49 221 470 5687
E-Mail: m.hettesheimerSpamProtectionuni-koeln.de