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23.11.2021

Studie: Persönliche Beziehungen zwischen Schüler*innen und Lehrkräften stärken Lernerfolg

Förderprogramme an Schulen sind dann besonders wirksam, wenn sie Schülerinnen und Schüler nicht nur fachlich, sondern auch auf der Beziehungsebene unterstützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Zentrums für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln. Die Studie untersucht anhand des Förderprogramms "KommMit", das während der Coronapandemie für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche ins Leben gerufen wurde, welche Faktoren die Bildungsteilhabe gefährden und welche Fördermaßnahmen sich besonders positiv auf den Lernerfolg auswirken. Befragt wurden 81 Lehramtsstudierende und 33 Lehrkräfte, die zwischen März 2020 und März 2021 an dem Programm teilgenommen hatten.

Das Förderprogramm "KommMit" wurde im März 2020 mit Beginn der Coronapandemie vom Zentrum für LehrerInnenbildung initiiert. Es wendet sich an bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche aller Schulformen und wird in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Kooperationsschulen der Ausbildungsregion Köln umgesetzt. Gefördert wird das Programm von der Kurt und Maria Dohle-Stiftung. Ein Lehramtsstudent bzw. -studentin betreut ein Kind über ein halbes Jahr jeweils drei Stunden wöchentlich und in enger Abstimmung mit der Klassenleitung. Die Studierenden decken über das Projekt ihr Eignungs- und Orientierungspraktikum oder ihr Berufsfeldpraktikum ab. Im Projekt sind alle Schulformen mit Ausnahme von Förderschulen vertreten.

Die Ergebnisse der Studie geben einen Hinweis darauf, dass Förderprogramme dann besonders erfolgreich sind, wenn sie über die reine Nachhilfetätigkeit hinausgehen. Eine persönliche Beziehung zwischen Schüler*innen und studentischen Mentor*innen hilft den Kindern, Selbstvertrauen zu entwickeln und Motivation aufzubauen. Beides ist für ihren Lernerfolg entscheidend. So gaben die Studierenden an, dass sie das Vertrauen der Schüler*innen in die eigenen Fähigkeiten stärken und die Lernerfolge damit verbessern konnten.

Als Risikofaktoren für den Lernerfolg benannten Studierende wie Lehrkräfte vor allem fehlende Selbstorganisation, nicht ausreichende Sprachkenntnisse oder geringe Möglichkeiten der Unterstützung im Elternhaus. Sie waren der Meinung, dass die Kinder und Jugendlichen neben einer fachlichen Förderung in den Unterrichtsfächern Mathematik, Deutsch und Englisch gezielte Unterstützung beim selbständigen Lernen, der Selbstorganisation und beim Zeitmanagement benötigten. Technisches Know-how und Digitalkompetenz spielten dagegen nur eine geringe Rolle.

Die Studierenden schätzten das Programm auch als förderlich für sich selbst ein. Neben praktischen Erfahrungen für den Beruf glaubten sie, besser für das Thema Bildungsbenachteiligung sensibilisiert worden zu sein. Auch die befragten Lehrkräfte befürworteten eine Fortführung des Programms.

Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien sind nicht erst seit Corona im deutschen Bildungssystem schlechter gestellt; sie erreichen seltener einen hohen Bildungsabschluss als Kinder aus Akademikerfamilien. Bildungsstudien der OECD oder PISA weisen seit Jahren auf einen starken Einfluss von Herkunft auf den Bildungserfolg hin und benennen die frühe schulische Selektion und eine nicht ausreichende schulische und außerschulische Förderung als Ursache für ungleich verteilte Bildungschancen in Deutschland. Selbst- und Fremdstigmatisierungen tragen dazu bei, dass Schüler*innen aus bildungsfernen Familien sich weniger zutrauen und weniger motiviert sind. Eine Stärkung des Selbstvertrauens durch stabile Beziehungen und eine individuelle und persönliche Förderung können den Lernerfolg dabei entscheidend verbessern.

Informationen zur Studie:
Berninger, Ina; Krämer, Astrid & Arman Lee (2021): Können Mentoringprogramme Bildungsbenachteiligung reduzieren? Lehren aus der Coronapandemie am Beispiel des Förderformates „KommMit“. hrsg. v. Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL). Köln (Praxisphasen innovativ (Band 15)).

Link zur Studie:
https://zfl.uni-koeln.de/sites/zfl/Publikationen/pp-innovativ/ZfL-PP-Innovativ15.pdf

Pressekontakt:
Merle Hettesheimer
Universität zu Köln / Zentrum für LehrerInnenbildung
Leitung Kommunikation und Events
Tel. +49 221 470 5687
E-Mail: m.hettesheimerSpamProtectionuni-koeln.de